
Es war alles so perfekt. Zwei tolle Kinder und einen liebevollen Ehemann Peter. Eine schöne Wohnung in einem 2-Familien-Haus. Sichere Arbeitsplätze, Autos, Urlaub etc. alles was wünschenswert war, wurde hart erarbeitet und war da. In diesem Jahr stand ein Ereignis an, das in der heutigen Zeit nicht mehr viele erreichen...

Monate vorher die Frage: Feiern oder Fliehen? Wir haben uns dann für Beides entschieden, nachdem wir die größere Reise nach Kanada abgehakt hatten. (Was sich im Nachhinein noch als gut erwiesen hat.)
Am Samstag vor unserer Silberhochzeit wurde traditionell, was in unserer Nachbarschaft üblich ist, unsere Haustüre geschmückt. Am Sonntag vor unserem Ehrentag war tote Hose. Wir schlichen durch die Wohnung und fieberten dem großen Tag entgegen. Am Abend sagte Peter zu mir: Wir werden bis Mitternacht auf bleiben und auf unsere Silberhochzeit anstoßen. Der Begriff „Silberhochzeit“ erzeugte eine kleine Gänsehaut. Unfassbar, wie schnell 25 Jahre vergangen sind. Zur vorgerückten Stunde kam Bewegung in Peter. Er marschierte mal in die Küche, mal ins Schlafzimmer, mal in den Keller. Da ist doch was im Busch. Kurz vor 24 Uhr bekam ich die Order, still sitzen zu bleiben und nicht mehr aufstehen. Was ist da los?
Es war soweit, Peter nahm mich an die Hand, und führte mich zum Tisch. Er hatte eine kleine Überraschung vorbereitet. Neben einer Flasche Champagner lag eine Rose, an der ein kleines Kästchen kuschelte. In diesem kleinen Kästchen versteckte sich ein Diamant. Daneben lag ein Schriftstück, was mit einer Schleife zusammengebunden war und wo drauf geschrieben stand:
Wir hatten eine wunderschöne Silberhochzeitsfeier mit vielen Freunden und Bekannten.
Der ganze Arbeitsstress von Peter war vergessen, wir haben die Feier genossen. Ein paar Tage nach der Feier ging es für uns beide ab, in die „Zweite Heimat“ nach Österreich in die Steiermark, zu Hanni und Ferdl. Wir hatten Ende Oktober, fantastisches Wetter und absolute Ruhe. Tage, die ich nie vergessen werde. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch keiner,

Erholt und mit neuen Zielen ging es nach Hause und dort wieder Hals über Kopf in den Stress. Peter hatte seinen Zahnarzttermin wahrgenommen, noch ein paar Kleinigkeiten erledigt und dann ab ins Bett, es ging schließlich am nächsten Morgen wieder bei Zeiten los.
In der Nacht klagte er über Kopfschmerzen und heftigen Druck im Oberkiefer, was seinerseits auf die neue Zahnprothese zurückzuführen sei. Stunden später fühlte er sich merkwürdig, war unruhig. Ich sollte warten und ihn dann in der Firma entschuldigen, weil er zum Arzt wollte. Immer wieder kleine Nickerchen zwischendurch, aber der Zustand besserte sich nicht. Gegen 7:30 Uhr wollte er aufstehen und zum Arzt fahren. Der Zustand hatte sich drastisch verschlechtert, neben starke Gehstörungen sah er auch noch Doppelbilder. Daraufhin habe ich sofort unseren Hausarzt angerufen, der auch sehr schnell kam. Minuten später überschlugen sich die Ereignisse. Notarzt und Rettungswagen trafen ein und schwupp, war Peter weg.
Philipp war schon zur Schule gegangen und hatte den ganzen Spuk nicht mitbekommen. Ich bin anschließend sofort mit Nadine ins Krankenhaus gefahren...

Wir leben so dahin und nehmen nicht in Acht,
dass jeder Augenblick das Leben kürzer macht.